Retrozessionen gefährden die Vertrauensbasis — versteckte Provisionen und Interessenkonflikte

Versteckte Provisionen schaffen systematische Interessenkonflikte zwischen Anlegern und Vermögensverwaltern. Eine Analyse der NZZ zeigt, warum Transparenz das einzige Gegenmittel ist.

10. März 20261 Min. LesezeitVon LegaFund AG
RetrozessionenKickbacksInteressenkonflikteNZZTransparenzVermögensverwaltung
Teilen
Auf dieser Seite

Wer Klarheit darüber haben will, wie die eigene Bank oder der eigene Vermögensverwalter mit Retrozessionen umgeht, findet die Antwort in den allgemeinen Geschäftsbedingungen — doch dort steht meistens dasselbe: Der Anleger muss auf die Herausgabe versteckter Provisionen verzichten.

Ein vielzitierter NZZ-Artikel von Florian Schubiger, Gründer der VermögensPartner AG, bringt das Kernproblem auf den Punkt.

Das Ausmass der Interessenkonflikte#

Bei Aktienfonds fliessen rund 0,7 % pro Jahr des investierten Kapitals als Retrozessionen an den Vermögensverwalter. Bei strukturierten Produkten oder Hedge-Funds können die Beträge noch deutlich höher sein. Je nach Ausrichtung eines Wertschriftendepots machen Retrozessionen gut und gerne die Hälfte der Einnahmen eines Vermögensverwalters aus.

Die Folge: Anleger wollen die besten Finanzinstrumente zu möglichst tiefen Kosten. Vermögensverwalter hingegen profitieren von hohen Gebühren und intransparenten Produkten. Diese Interessenkollision wird durch einseitig formulierte Verträge noch verstärkt.

Warum das System funktioniert#

Kaum ein Privatanleger in der Schweiz weiss, wie viel sein Vermögensverwalter effektiv verdient. Beeinflusst von ausgeklügelten bankinternen Anreizsystemen wimmelt es in vielen Wertschriftendepots von teuren Anlagefonds und undurchsichtig strukturierten Produkten.

Solange Anleger keine Rechenschaft über Provisionszahlungen verlangen, wird kein grosser Player auf die lukrativen Kickbacks verzichten. Vermögensverwalter, die die Offenlegung verweigern, geben damit indirekt zu, dass sie etwas zu verbergen haben.

Was Anleger tun können#

  1. Schweigen brechen: Mit dem Berater über Retrozessionen sprechen
  2. Schriftliche Zusicherung verlangen: Das Recht einfordern, jederzeit den genauen Betrag der bezahlten Retrozessionen einsehen zu können
  3. Ansprüche prüfen: Rückforderungen über die vergangenen zehn Jahre sind möglich — ohne eigenes Kostenrisiko durch Prozessfinanzierung

Den vollständigen NZZ-Artikel als PDF herunterladen →


Quelle: Florian Schubiger, «Retrozessionen gefährden die Vertrauensbasis», NZZ, 31. Mai 2010.

Insights-Updates.

Erhalten Sie ausgewählte Analysen zu Schweizer Litigation-Finance- und Regulierungsthemen.

Verarbeitung gemäss Datenschutzerklärung. Abmeldung jederzeit möglich.

Ähnliche Insights

Weitere Beiträge, die dazu passen.

Regulatorischer Hinweis

Dieses Material dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, kein Angebot und keine Aufforderung dar. Es richtet sich ausschliesslich an qualifizierte Anleger und ist nicht für US-Personen bestimmt.

Retrozessionen gefährden die Vertrauensbasis — versteckte Provisionen und Interessenkonflikte | LegaFund