Kickbacks und Interessenkonflikte in der Fondsbranche: Warum Anleger handeln sollten

Retrozessionen auf Fondsprodukte schaffen systemische Interessenkonflikte. Eine Analyse zeigt, wie die Praxis funktioniert und warum ein Verbot diskutiert wird.

10. März 20262 Min. LesezeitVon LegaFund AG
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Die Fondsbranche lebt zu einem erheblichen Teil von Retrozessionen. Fondsgesellschaften zahlen Vertriebsprovisionen an Banken und Vermögensverwalter — sogenannte Trailer Fees oder Kickbacks. Diese Zahlungen erfolgen aus dem Fondsvermögen, also letztlich aus dem Geld der Anleger.

Wie Kickbacks in der Praxis funktionieren#

Der Mechanismus ist einfach: Eine Fondsgesellschaft erhebt eine jährliche Verwaltungsgebühr (TER — Total Expense Ratio). Ein Teil davon — typischerweise 40 bis 60 Prozent — fliesst als Retrozession an die vertreibende Bank oder den Vermögensverwalter zurück.

Für den Anleger bedeutet das:

  • Die Bank hat einen finanziellen Anreiz, Fonds mit hohen Retrozessionen zu empfehlen
  • Günstigere Alternativen (z.B. ETFs) werden systematisch benachteiligt
  • Der Anleger zahlt mehr, ohne es zu wissen

Internationale Entwicklungen#

In der EU hat die MiFID-II-Richtlinie die Transparenzpflichten deutlich verschärft. In Grossbritannien und den Niederlanden sind Retrozessionen an Privatanleger komplett verboten. Die Schweiz hinkt dieser Entwicklung hinterher — obwohl das Bundesgericht die Rechtslage klar zugunsten der Anleger entschieden hat.

Der Madoff-Zusammenhang#

Kickbacks spielten auch eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Madoff-Schneeballsystems. Banken und Vermittler erhielten hohe Provisionen für die Vermittlung von Anlegergeldern an Madoff — ein Anreiz, der kritische Due Diligence verdrängte. Lehman Brothers-Produkte wurden aus denselben Gründen massenhaft in Anlegerportfolios platziert.

JP Morgan: SEC-Einigung über USD 267 Millionen#

2015 musste JP Morgan Asset Management USD 267 Millionen an die SEC zahlen, weil Kunden nicht über Interessenkonflikte und Retrozessionen informiert worden waren. Die SEC stellte fest, dass JP Morgan eigene Hedge-Fonds-Produkte bevorzugt hatte, weil diese höhere Retrozessionen generierten.

Schweizer Rechtslage#

Das Schweizerische Bundesgericht hat in mehreren Urteilen klargestellt:

  1. Retrozessionen gehören dem Kunden (BGE 132 III 460, 2006)
  2. Auch konzerninterne Retrozessionen müssen herausgegeben werden (BGE 138 III 755, 2012)
  3. Die Verjährungsfrist beträgt zehn Jahre (BGer 4A_508/2016, 2017)
  4. Die Nichtherausgabe kann strafrechtlich relevant sein (BGE 144 IV 294, 2018)

Anleger, die in den vergangenen zehn Jahren ein Vermögensverwaltungsmandat in der Schweiz hatten, sollten prüfen, ob ihnen Retrozessionsansprüche zustehen.

Analyse «Ban Kickbacks» als PDF herunterladen →

Inside Paradeplatz-Artikel zu Kickbacks als PDF herunterladen →

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Regulatorischer Hinweis

Dieses Material dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, kein Angebot und keine Aufforderung dar. Es richtet sich ausschliesslich an qualifizierte Anleger und ist nicht für US-Personen bestimmt.

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